Idiolektik - die Eigensprache des Menschen

Hier kommt der erste Gastbeitrag über einen aussergewöhnlichen Ansatz der Gesprächsführung, genannt Idiolektische Gesprächsführung, kurz: Idiolektik. Rainer Bienlein ist Anwender der Methode und praktiziert als Heilpraktiker mit Schwerunkt Sehgal-Homöopatie in in eigenen Praxen in Bayreuth und Kulmbach. Hier gehts zu seiner Website.

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Idiolektik

Die Idiolektik wurde um 1970 von Dr. A. D. Jonas, einem amerikanischen Psychiater und Psychotherapeuten, entwickelt und gelehrt. Der Name geht zurück auf den Begriff des Idiolekts, das ist die Eigensprache eines Menschen. Inzwischen wird die Idiolektik vor allem in der Medizin, in der Psychotherapie, in der Pädagogik und in beratenden, auf Kommunikation basierenden Bereichen angewandt.

Was ist nun die Idiolektik?

Jeder von uns spricht ganz individuell "seine" Sprache. Das fängt an bei der Benutzung der Worte, der grammatikalischen Struktur, geht über die Art der Betonung bis hin zu nonverbalen Signalen, die in der Kommunikation zu Tage kommen. Es geht also um die jeweils eigene Art und die Vorlieben eines Menschen in der Weise, wie er sich ausdrückt.

Aber warum sind Worte etwas individuelles? Haben wir - die wir alle z.B. deutsch sprechen - denn nicht denselben Wortschatz? Grundsätzlich ist das so, vor allem, wenn wir den oder die sachlichen Inhalt(e) von Worten betrachten. Wir können in einem Wörterbuch nachlesen, welche inhaltliche(n) Bedeutung(en) das benutzte Wort in dieser Sprache hat. Jedoch ist der Sachinhalt bei weitem nicht alles.

Nun lassen Sie uns ein kleines Experiment machen: bitte nehmen Sie sich eine Minute Zeit, bevor Sie im nächsten Absatz weiter lesen. Schließen Sie die Augen oder schauen Sie auf einen Punkt vor Ihren Füßen und stellen Sie sich folgendes Wort vor: "H a u s".

Wenn ich Sie jetzt fragen würde, wie Ihr Haus aussieht, was würden Sie mir wohl erzählen? Etwa von einem kleinen Landhaus in der französischen Provence oder von einem Hochhaus in Berlin-Hellersdorf oder vielleicht von einer Villa am Starnberger See? In einer Gesprächsgruppe von 14 Teilnehmern hatten wir bei dieser Übung 14 ganz verschiedene Häuser, was natürlich nicht verwunderlich ist. Jeder der Teilnehmer konnte eine ganz individuelle Geschichte von "seinem" Haus erzählen...

Wir wissen nicht, an welches "Haus" unser Gesprächspartner denkt, wenn er dieses Wort benutzt. Das ist der Ausgangspunkt der idiolektischen Gespräche: ich weiß es nicht und ich lade den anderen mit kurzen offenen Fragen dazu ein, es mir zu erzählen. So wird der Fragende ein Stück weit mitgenommen in die eigene "Welt" des Befragten. Überraschenderweise verdeutlicht sich dabei das zuvor im Unterbewussten des Befragten liegende Bild so, dass er selbst neue eigene Aspekte und Muster bei sich erkennen kann, die z.B. für Problemlösungen oder im Umgang mit schwierigen Situationen ausgesprochen hilfreich sein können.

Damit das gelingen kann ist die Grundhaltung des idiolektischen Gespräches stets geprägt von Wertschätzung, Empathie, Akzeptanz ohne das Gesagte zu bewerten und von Achtung vor der Autonomie des anderen. Eine weitere wichtige Grundhaltung ist die Zieloffenheit, das bedeutet, dass der Fragende möglichst wenig eigene Impulse in das Gespräch gibt und "mit dem Befragten" mit geht, indem er dessen "Schlüsselworte" aufgreift und sich diese wiederum mit kurzen offenen Fragen erklären lässt.

Die Wahrnehmung und das Nachfragen von Schlüsselworten ist eine wichtige Technik in der Idiolektik. Ein Schlüsselwort kann jedes Wort sein, das für den Befragten eine besondere Bedeutung hat. Schlüsselworte kennzeichnet, dass sie besonders betont werden, dass Emotionen mitschwingen oder dass sie von einer bestimmten Mimik oder Geste (Handbewegung) oder einer anderen Körperbewegung (z.B. Wippen, Wegrücken etc.) begleitet werden. Wenn ein Wort nicht in den übrigen Kontext passt, oder wenn dasselbe Wort wiederholt in der Antwort auftaucht, kann es ebenso ein Schlüsselwort sein.

Der Idiolektik zu Grunde liegt das "Konzept der inneren Weisheit" und die Grundannahme, dass jeder Mensch zu jeder Zeit "seine" guten Gründe dafür hat, sich in eben seiner Weise zu verhalten. Jeder weiß selbst am besten, wie es um ihn steht. So bringt ein Mensch sich in der Kommunikation selbst zum Ausdruck, seine bewussten und ebenso seine unbewussten Verhaltensweisen und Problembewältigungsstrategien. Wenn man unterbewusste Mechanismen - z.B. in metaphorischen Bildern - zum Ausdruck bringen kann - also Worte für sie findet - dann können diese bewusst verstanden werden und es ergibt sich ein Potenzial für eine Anpassung an die aktuelle Situation. Festgefahrene Muster werden damit aufgelockert und so einer (positiven) Veränderung zugänglich.

Weitere wichtige Elemente eines idiolektischen Gesprächs sind Humor und absolute Orientierung an den Ressourcen. Jeder Mensch besitzt solche Ressourcen, also Handlungsmöglichkeiten, wie er mit besonderen Anforderungen, belastenden Lebensumständen und persönlichen Problemen konstruktiv umgehen kann. So wird bei idiolektischer Fragestellung - wo möglich - die "Spur" der Ressourcen aufgenommen und verfolgt, um diese zu stärken. Und es darf gelacht werden, denn mit Humor heitert sich die Situation auf, Perspektivenwechsel werden möglich und die "seelische Auflockerung" wird gefördert.

So kann man sagen, dass das Wesen der Idiolktik in diesen (von der GiG formulierten) Versen ausgedrückt werden kann:

Zuhören statt reden,
fragen statt raten,
respektieren statt rechthaben
... und vielleicht verstehen.

 Zum Weiterlesen:

www.idiolektik.de
Website der Gesellschaft für idiolektische Gesprächsführung.

Schlüsselworte - Idiolektische Gesprächsführung in Therapie, Beratung und Coaching
von: D. Bindernagel, E. Krüger, T. Rentel & P. Winkler (Hrsg.). (2010). Heidelberg: Carl-Auer Verlag (ISBN 978-3-89670-748-2).

In diesem Buch werden die Prinzipien der idiolektischen Gesprächsführung von erfahrenen Anwendern und Lehrern erklärt. Die Wirkungsweise der Idiolektik wird erläutert und Anwendungsmöglichkeiten in verschiedenen Praxisfeldern werden aufgezeigt.

Rainer Bienlein – Heilpraktiker

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